Bitte gib mir einen Schokokuss!

Bitte gib mir einen Schokokuss
Mmmmh...Schokoküsse: Wer kann bei diesem Anblick widerstehen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schokoküsse aus dem pfälzischen Herxheim erfreuen die Welt
Mit Schokoküssen sorgt die Pfälzerin Marie-Luise Trauth für süße Erinnerungen an die Kinderzeit. Schon der Anblick ruft Erinnerungsseufzer hervor und sorgt für Vorfreude. Beim Reinbissen wird's noch besser. Erst knistert die Schokolade zwischen den Zähnen, dann zergeht  der Zuckerschaum auf der Zunge. Himmlisch. „Gell, das ist kein Vergleich zu industriell hergestellter Ware“, freut sich Marie-Luise über meinen entzückten Gesichtsausdruck. Die 61-Jährige weiß, wovon sie spricht. Sie produziert in der Manufaktur Eugen Trauth & Söhne in dritter Generation die köstliche Masse im Schokomantel.

Diät-Zucker, Vitaminzusatz, Konservierungsstoffe, die die cremige Füllung über Wochen feucht halten, sucht man hier vergebens. "Wir setzen auf Tradition und Authentizität", sagt Trauth. Supermarkttauglich ist die Leckerei damit nicht. Doch das ist auch gar nicht nötig, wie die Geschäftsfrau erklärt: "Unser Produkt ist maximal zwei Wochen haltbar, bis dahin ist es längst verkauft." Den rotweißen Schachteln mit dem traditionellen „Trauth“-Schriftzug fehlt auch die Frischhalte-Beschichtung, die üblicherweise für wochenlange Lagerung unabdingbar ist. Daher geht das Produkt nicht quer durch die Republik auf Reisen. „Die Schokoküsse gibt’s nur hier in Herxheim bei Landau zu kaufen“, bestätigt die Chefin. „Aber unsere Abnehmer kennen den Weg, egal wie lang dieser ist.“
In dem beschaulichen pfälzischen Örtchen gründete Marie-Luise Trauths Großvater, ein Bäckermeister, die Firma Eugen Trauth & Söhne im Jahr 1911. Sein Rezept für Schokoküsse ist seit 100 Jahren so gut wie unverändert. Später brachte Vater Trauth die Süßwarenfabrik in der Wirtschaftswunderzeit zur Blüte.

Bitte gib mir einen Schokokuss
Marie-Luise Trauth produziert unzählige Schokoküsse jeden Tag

Tochter Marie-Lusie fing 1968 als Lehrmädchen an. Zu ihren Aufgaben gehörte es, den Leuten aus dem Dorf Bruchware zu verkaufen. In der Produktion ließ sie Papiertüten mit 17 Schokoköpfen füllen und kassierte für „e Dutt voll Mohrekrepp“ genau eine Mark. Vor 26 Jahren übernahm sie das elterliche Geschäft. Nun steht die nächste Generation in der Startlöchern. Neffe Daniel, gelernter Bäcker und Lebensmitteltechniker, wird seiner Tante auf den Chefsessel nachfolgen.

In der Fertigungshalle über dem Verkaufsraum ist es kalt, es riecht süßlich. Sorgfältig nebeneinander aufgereiht wandern runde Waffelböden auf einem Förderband durch den Raum. Die Dressiermaschine verpasst ihnen eine Portion Creme aus Zucker und Eischnee, eine andere sorgt für die Schokoladendusche – nach neun Minuten ist ein Mohrenkopf fertig. Das Auge erkennt, das jeder einzelne Kuss diesen gewissen Zipfelabschluss besitzt. An der Stelle, wo gerade vor ein paar Stunden der letzte Tropfen Schokolade auf die Masse darunter gefallen ist. Fehlt dieses prägnante Markenzeichen, geht die Gunst der Kennerschaft sofort in den Keller. Ein Trauth’scher Schaumkuss verströmt das Flair eine originalen Handwerksproduktes, dessen Käufer sie zu dem Zeitpunkt genießen sollten, an dem sie am besten schmecken: genau nach einem Tag. „So mag ich sie zumindest am liebsten“, schmunzelt Marie-Luise Trauth.

Fast fünf Millionen Stück jährlich produziert der kleine Familienbetrieb mit pfälzischen Wurzeln. Seit 1991 verkauft die Firmenchefin in einer Art Factory Outlet die süßen Produkte, anfangs noch bekannt unter dem Begriff „Herxemer Mohrenkepp“. Diese Verkaufarts und der Kontakt zu den Menschen liegen der quirligen Powerfrau am besten.

Vier Vollzeitbeschäftigte und zehn Teilzeitkräfte arbeiten in dem Familienbetrieb - und passen ihre Arbeitszeiten flexibel den Jahreszeiten an. Denn der Absatz schwankt je nach Außentemperatur gewaltig: Während in den heißen Sommermonaten Flaute herrscht auf dem Schokokuss-Markt, brummt das Geschäft im Herbst und im Winter. "Im Oktober geht es immer richtig los, dann wollen die Leute wieder Mohrenköpfe essen", erklärt die Chefin. Auch vor Weihnachten klingelt die Kasse im Fabrik-Laden besonders häufig.

25 Stück der begehrten Küsse gibt es im roten Karton. Neben klassisch auch mit Mokka-Geschmack, Rum oder Kokosstreuseln. Jede Schachtel enthält nur eine Sorte. Zwar gehen in Herxheim auch Waffeln, Rumkugeln und Schokolade vom Band, doch der Renner bleiben die Schokoküsse. Von Sortimenterweiterung hält Trauth nichts. Deshalb will sich die 61-Jährige weiter darauf konzentrieren. Der eigene Vertrieb mache sie frei in ihren Entscheidungen, sagt sie. Etwa eine Million Euro Umsatz erzielt ihre Firma pro Jahr. Offiziell vertreibt Trauth ihr Hauptprodukt allerdings seit einigen Jahren unter politisch korrektem Namen. Lange habe sie überlegt und viel diskutiert, ob die althergebrachte Bezeichnung "Negerküsse" noch vertretbar sei, berichtet Trauth. Bis eines Tages eine Dame aus Nigeria im Laden stand und sich über den diskriminierenden Ausdruck beschwerte. Das überzeugt. Seitdem stehen die Leute Schlange und verlangen wieder und wieder: "Bitte gib mir einen Schokokuss!"
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Ein Gedanke zu “Bitte gib mir einen Schokokuss!

  1. Tara

    Ach ja, jetzt einen Kuss von Trauths! Die rotweißen Schachteln wecken die schönsten Kindheitserinnerungen bei mir. Früher hat hin und wieder mein Papa von Dienstreisen uns Kindern eine dieser heiß begehrten Kartons mitgebracht. Leider bekommt man sie nicht mehr am Straßenrand bei einem fahrenden Händler zu kaufen. Sondern muss direkt nach Herxheim fahren. Mich führt die Arbeit selten in die Pfalz. Vielleicht auch besser so. Erspart mir zumindest eine Menge Hüftgold 😉

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